Kinderärztin heiratet in Uganda

Bei einer Berggorilla-Safari vor zwei Jahren in Uganda hat sich die Pößneckerin Annett Franz in ihren Reiseleiter Hassan Pirani verliebt. Vor kurzem hat die 34-jährige Kinderärztin in ihrer neuen Heimat nahe der Hauptstadt Kampala eine Hochzeit nach indischer Tradition gefeiert. Immerhin stammen die Großeltern des Bräutigams aus Indien und England.

Die aus Pößneck stammende Annett (geb. Franz) heiratet Hassan Pirani in Uganda. Bei der Hochzeit nach indischer Tradition halten sie ihren Sohn Phillip in den Armen und lassen sich mit den Eltern des Bräutigams fotografieren. Foto: Volker Mach
Die aus Pößneck stammende Annett (geb. Franz) heiratet Hassan Pirani in Uganda. Bei der Hochzeit nach indischer Tradition halten sie ihren Sohn Phillip in den Armen und lassen sich mit den Eltern des Bräutigams fotografieren. Foto: Volker Mach
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Nach Abschluss ihrer Facharztprüfung im Februar 2009 wollte sich die Pößneckerin einen besonderen Urlaub gönnen. "Einige Jahre zuvor hatte ich in einer Reportage gesehen, dass es in Uganda noch Berggorillas gibt und sogar die Möglichkeit besteht, diese dort live zu sehen", erinnert sich Annett Pirani. Im Internet habe sie nach einem Reiseanbieter gesucht. Doch die großen Veranstalter hatten den ostafrikanischen Binnenstaat nicht im Programm. Fündig wurde die Pößneckerin beim örtlichen Anbieter "Safariuganda", der sich auf luxuriöse Safaris in kleinen Gruppen spezialisiert hat. "Die angebotene Rundreise klang sehr interessant und ich nahm Kontakt auf, nicht ahnend, dass der Betreffende in nicht allzu langer Zeit mein Mann sein würde."

Foto: Volker Mach
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Im Juni 2009 flog sie allein nach Uganda. "Hassan, mit dem ich bisher nur Kontakt per Mail hatte, holte mich vom Flughafen ab und begleitete mich die gesamte Rundreise als mein Guide. Wir haben uns in dieser Zeit gut verstanden."

 

Nach zehn Tagen hieß es erst einmal Abschied nehmen, Annett flog für eine Woche auf die Insel Sansibar. "Nun merkten wir beide, dass uns doch mehr an dem Anderen gelegen war, als wir uns haben anmerken lassen. Per E-Mail und Telefon blieben wir in Kontakt." Da sie damals beruflich nach einer anderen Stelle Ausschau hielt, war es ihr möglich, im August nochmals nach Uganda zu fliegen und den Mann, den sie als Guide kennen gelernt hatte, nun ganz privat kennen zu lernen. "Verliebt waren wir ja eigentlich schon. Wir wollten es irgendwie schaffen, zusammen zu kommen." Doch das war nicht so einfach: Annett musste zurück nach Deutschland, umziehen und in Halle an der Saale einen neuen Arbeitsplatz antreten. Hassan kam dann im November und im März 2010 zu Gegenbesuchen.

 

 

Das Paar fasste nun endgültig den Entschluss, zusammenzuziehen. Annett flog im Mai 2011 in "freudiger Erwartung" nochmals nach Uganda. Im September hat sie Hassan in Pößneck geheiratet, im November kam Sohn Phillipp in Saalfeld zur Welt. Seit März 2011 wohnt die dreiköpfige Familie jenseits von Pößneck in Uganda.

Hassan Pirani wurde vor 43 Jahren ebenfalls in Deutschland geboren. Sein aus Uganda stammender Vater machte in den 60er Jahren ein Praktikum im Odenwald und lernte dort seine spätere Frau kennen. Als Hassan sechs Wochen alt war, zog die Familie nach Uganda, musste aber 1972 die afrikanische Heimat wieder verlassen, nachdem Diktator Idi Amin die Macht ergriffen und alle Ausländer des Landes verwiesen hatte. Vor einigen Jahren beschlossen die Piranis, zurück nach Uganda zu ziehen, zumal ihre Geschäfte im Stahlbau nicht so gut wie erhofft liefen. Den Neuanfang wagten sie mit ihrer Reiseagentur.

 

"Als wir uns kennenlernten, hatte Hassan gerade Fuß gefasst. Für mich gibt es in Uganda verschiedene Möglichkeiten zu arbeiten", erklärte Annett Pirani die Entscheidung für den neuen Lebensmittelpunkt. Wenn ihr Sohn größer ist, möchte sie in Uganda als Ärztin arbeiten.

 

Familie Pirani hat auf der Halbinsel Kyagwee, 30 Bootsminuten von Kampala entfernt eine Lodge. In Nähe der Lodge errichten Annett und Hassan ein selbst entworfenes Wohnhaus mit Reetdach und fließend Wasser, das eine Solaranlage erwärmt. Eine Photovoltaik-Anlage soll künftig den Generator ablösen, der bislang für die Stromversorgung sorgt.

 

Die Landessprache Luanda spricht die Pößneckerin noch nicht. "Offiziell wird hier auch Englisch gesprochen." Annett Pirani will mit Mann und Sohn zwei bis drei Mal jährlich die alte Heimat besuchen, hofft aber auch auf ein bis zwei Gegenbesuche ihrer Eltern pro Jahr.

 

Peter Cissek / 10.06.11 / OTZ